So, gestern habe ich Within Temptation und Iron Maiden live im Canadian Tire Centre in Kanata, Ottawa, Ontario, Kanada gesehen.
Within Temptation haben mich live durchaus positiv überrascht. Die letzten Alben der Band hatten ja so einige Höhen und Tiefen und waren teils sehr poppig. Live hat die Band aber richtig Gas gegeben und Sängerin Sharon den Adel klingt auf der Bühne noch besser als auf den Alben. Das können sicherlich nicht viele Sängerinnen und Sänger von sich behaupten. Gespielt wurden neun Songs aus allen Phasen der Band und das Ganze hat so etwa vierzig Minuten gedauert. Die Band ist auch beim Publikum recht gut angekommen. Auch da haben andere Vorbands ja schon deutlich schwächer abgeschnitten.
Die Umbauphase und der Start des Konzerts von Iron Maiden dauerten extrem lange, so etwa fünfundvierzig Minuten. Das machte aber nichts, ich habe mich hervorragend mit meinem Sitznachbarn unterhalten.
Danach ging es dann los und der erste Aufreger war bereits die gigantische Bühne zu Senjutsu. Die war einfach authentisch, detailverliebt und farbenfroh gestaltet. Ich bin ja bekanntlich ohnehin grosser Anhänger der japanischen Kultur, von daher ist mir da gestern richtig das Herz aufgegangen. ''Senjutsu'' fand ich als Opener überraschend gut, besonders Bruce Dickinson hat sich gesanglich übertroffen und auch die Fans mächtig zum Mitmachen animiert. Auch das Schlagzeugspiel war hier besonders dominant und kraftvoll. Da kann ich den teils negativen Meinungen zu dem Lied nur widersprechen. Weiter ging es dann mit dem energischen ''Stratego'' und dem verspielten ''The Writing on the Wall'', die ebenfalls sehr gut klangen.
Es folgte dann eine längere Umbauphase, die sich aber mächtig lohnte, denn die sakralen Bühnenelemente mit ihren vielen Details waren echte Hingucker. ''Revelations'' ist vom Publikum hervorragend aufgenommen worden und war für mich der zweitbeste Song des Abends. Für mich ist dies ein Lied, das live unendlich besser klingt als auf dem Album. Ich habe auch eifrig geheadbangt, geklatscht und mitgesungen, denn dazu hat Bruce Dickinson das Publikum wieder einmal energisch motiviert. Danach folgte dann die schöne Power Ballade ''Blood Brothers'', die zwar nicht zu meinen Lieblingsliedern zählt, aber live sehr ergreifend ist. Danach kam dann das für mich beste Lied des Abends mit ''Sign of the Cross''. Ich bin richtig abgegangen und es war mir egal, was die Leute um mich herum dachten. Luftgitarre, Luftbass und Luftschlagzeug wurden gespielt und mitgesungen wurde selbstredend auch von Anfang bis Ende. Der instrumentale Mittelteil war ein einziger Orgasmus. Ganz besonders hervorheben muss man aber auch Bruce Dickinsons Gesang. Bei diesem Lied klingt er sogar noch besser als Blaze Bayley, den ich ja bekanntlich wirklich sehr schätze. Ein grosses Lob auch, dass Dickinson die Lieder mit anderen Originalsängern singt. Bei vielen anderen Bands ist das nicht unbedingt der Fall. Das finde ich klasse.
Es folgte eine weitere, aber kürzere Umbauphase und dann kam das kurze, knappe und dynamische ''Flight of Icarus'', das live richtig gut herüberkam. Bruce Dickinson machte mit seinen Flammenwefern auch eine Riesenshow und das Ende des Liedes, als Icarus in sich zusammenfällt, war absolut herausragend. Danach kam dann recht früh ''Fear of the Dark''. Das Lied bleibt klasse und den verzögerten Endteil hat Bruce Dickinson sehr humorvoll herübergebracht. Man muss aber auch sagen, dass sich das Lied ein wenig abgenutzt hat. So stark wie bei vorherigen Konzerten fand ich es gestern jedenfalls nicht. ''Hallowed Be thy Name'' wirkte hingegen wieder etwas dynamischer. ''The Number of the Beast'' lag so zwischen den beiden direkten Vorgängern und war leicht abgenutzt, aber dennoch mit Brio vorgetragen. ''Iron Maiden'' lebte dann von den starken Interaktionen zwischen Bruce Dickinson und dem Publikum, sowie dem gigantischen Eddie, der beeindruckend aussah.
Dann kam die erste Zugabe und der gestrige Vortrag von ''The Trooper'' war bisher der beste, den ich persönlich erleben durfte oder auf Film gesehen habe. Die Bühnengestaltung, der gigantische Eddie und Bruce Dickinsons Energie waren einfach einmalig. Überhaupt wirkte die Band in ausgezeichneter Form und deutlich jünger, als sie ja eigentlich inzwischen sind. ''The Clansman'' war dann auch schön episch vorgetragen, aber vielleicht ein wenig zu lang für den Zugabeblock. Das Publikum hat darauf auch eher etwas reserviert reagiert. Ich hingegen habe mich über diese vergessene Perle sehr gefreut. ''Run to the Hills'' ist dann wieder besser angekommen, hat mich persönlich aber aus dem Zugabeblock am wenigsten mitgerissen.
Schliessflich folgte die finale Zugabe und da wurde noch einmal alles aufgefahren. Tolle Bühnendekorationen, grossartige Kulissen und eine Band in absoluter Topform. Ich muss wieder einmal Bruce Dickinson herausheben, denn ein solch schwieriges Lied wie ''Aces High'' mit so hohen Tönen nach einem fast zweistündigen Konzert so singen zu können zeugt von absolutem Professionalismus. Das Stück funktionniert als Herausschmeisser hervorragend. Mir hat es besser gefallen als die anderen bisher von mir erlebten Rausschmeisser mit ''Wasted Years" und ''Running Free''. Das Lied darf sehr gerne an genau dieser Stelle in der Setlist bleiben wie ich finde.
Unter dem Strich war dieses Konzert mein bisheriges Lieblingskonzert von Iron Maiden und die Vorgänger waren ja nun auch nicht von schlechten Eltern. Ich würde die Band jederzeit wieder bei mir in der Nähe live sehen wollen. Vielleicht ergibt sich dazu nächstes Jahr schon die Gelegenheit. Fingers crossed! Up the Irons!
