Musikalische Entwicklung von Maiden
Verfasst: 5. Apr 2021 14:02
Hallo,
die letzten Wochen haben ich mir die komplette Maiden Discographie mehrmals chronologisch angehört und mich dabei vor allem auf die musikalische Entwicklung konzentriert. Dabei meine ich nicht nur die Performance der Musiker sondern auch das Songwrtiting und die Arrangements. Sicherlich ist das aus meiner Sicht nicht unbedingt 100% objektiv, ich versuche die Sache aber mehr aus der Sicht eines Musikers zu sehen und nicht als "Fan".
Ich bewerte hier nur Studio-Alben und habe hier einmal ein Diagramm erstellt, um die ganze Sache erst einmal zu visualisieren: Nun zur Beschreibung:
1980 - Iron Maiden: Für ein Debut sind die Songwriting-Fähigkeiten durchaus schon anspruchsvoller und es sind schon Tendenzen für eine stetige Entwicklung zu erkennen.
1981 - Killers: Maiden machen hier einen kleinen Sprung, was meiner Meinung nach vor allem an Adrian Smith Gitarrenarbeit liegt. Die Gitarrenharmonien klingen hier besser, auch die Gitarren-Soli. Einige Gitarrenmelodien haben aber dennoch potential und klingen vielleicht hier und da noch etwas zu simpel. Im Prinzip handelt es sich aber bei den meisten Songs um Material, welches schon 1980 beim Debut vorhanden war.
1982 - TNOTB: Maiden werden vielleicht etwas "kommerzieller" und verlieren den rauen Punk-Charme der ersten beiden Alben, aber klingen dafür etwas mehr nach Heavy Metal. Erstmals ist Adrian aktiv am Songwirting beteiligt und bringt mehr "rockige" Elemente in den Sound, dazu steigert sich Steve mit Hallowed be thy Name beim Songwriting massiv.
1983 - POM: Die Entwicklung geht weiter nach oben, erstmals klingt die Band richtig aus einem Guss, da sich bis auf Nicko jedes Mitglied beim Songwrtiting beteiligt. To Tame a Land hat ähnliches Klasse wie Hallowed, dazu wirkt das Drumming insgesamt technischer mit dem Einstieg von Nicko. Tolle Soli, abwechslungsreiche Songs und dazu eine tolle Produktion lassen das Album zurecht zu einem Klassiker werden.
1984 - Powerslave: Die Steigerung geht weiter, natürlich begünstigt durch Songs wie Mariner. Unglaublich wo Steve all die Harmonien herausholt und wie sich Bruce und Adrian mit 2 Minutes und Powerslave immer mehr steigern. Die Gitarrensoli wirken erstmals wie aus einem Fluss, gehen streckenweise sauber ineinander über und Maiden wirken hier überall sehr harmonisch, auch wenn z.B. leichte "Filler" Tracks auf dem Album sind wie Losfer Words.
1986 - SIT: Musikalisch noch einmal eine massive Steigerung, was nicht nur an den bis dahin besten Gitarren-Soli liegt, sondern auch an dem damaligen "modernen" Sound. Adrians Songwriting erreicht hier seinen Peak und bringt sehr viel Abwechslung rein, dazu schreibt Steve hier mit Alex, TLOTLD und CSIT 3 tolle Songs, die leider Live so gut wie nie berücksichtigt wurden. Das Album wirkt fast im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos.
1988 - Seventh Son: Hier erreichen Iron Maiden den absoluten Peak ihres Schaffens. Alle Songs wirken sehr gut eingespielt und ausgearbeitet. Es passt hier einfach alles. Der Titeltrack ist natürlich das Highlight, zum ersten Mal besteht ein Maiden Song aus mehreren Soli hintereinander und einem Chor-Part, der mir heute noch Gänsehaut auf die Haut bringt wenn ich ihn höre. Die Kombination aus Rhythmus und Lead-Gitarren wie in den Strophen von The Clairvoyant oder dem Titeltrack wirkt hochklassig, dazu bringen Akustik-Passagen wie am Ende von The Prophecy eine andere, unbekannte Seite, von Maiden mit ins Boot. CIPWM wirkt als einziger Track vielleicht unpassend.
1990 - NPFTD: Ein massiver Abfall, das erste eher "schlechte" Maiden Album. Teils klingen Maiden inspirationslos, durch den Verlust von Adrian klingen die Soli deutlich langweiliger und das Songwriting ist simpel. Man kann kaum glauben das man sich innerhalb von 2 Jahren musikalisch so verschlechtern kann.
1992 - FOTD: Es geht wieder etwas nach oben, aber nur leicht. Der Titeltrack, Be quick und Strangers sind gute Songs, die das Niveau im Vergleich zu NPFTD anheben. Aber irgendwie ist das dennoch kein Maiden-Niveau wie aus den 80ern und Maiden klingen streckenweise wieder gelangweilt. Auf dem Album befinden sich viele inspirationslose Filler und Gers Soli haben einfach nicht das Niveau von Smith.
1995 - X-Factor: Musikalisch eine Art Neuentwicklung und vom Songwriting wieder etwas mutiger. Das Album mit seinem melancholischen Flair ist vielleicht sperriger, aber nicht langweilig. Hier und da gibt es einige neue Ideen im Sound zu entdecken, z.B. bei The Unbeliver, die man noch nie bei Maiden gehört hat. Auch die Gitarren-Melodien wirken wieder besser und es scheint, als haben sich Gers und Murray eingespielt. Einzig die Leistung von Blaze verhindert hier eine noch besser Bewertung.
1998 - Virtual XI: An sich der Tiefpunkt - Bis auf den Opener und Clansman tummeln sich hier Songs, die mit massiven Wiederholungen von Refrains oder Strophen nerven (Gambler, Educated Fool) und dazu stört hier wieder Blaze mit schiefen Tönen. Das Drumming von Nicko wirkt wie von einem inspirationslosen Drumcomputer und das klingt nach einer Band, die kurz vor dem Ende steht.
2000 - BNW: Das Reunion-Album bessert einiges, auch wenn es nicht an die Qualität der 80er herankommt. Was vielleicht auch daran liegt, dass fast die Hälfte der Songs aus der Zeit von Virtual XI stammen und Bruce und Adrian noch nicht so viel Einfluss hatten. Es geht aber wieder nach oben.
2003 - DOD: Es wird etwas progressiver, aber nicht ausgereifter. Das Album wirkt wie eine Findungsphase, wohin man sich musikalisch entwickelt. Es ist weder eingängig noch richtig progressiv. Paschendale ist ein Highlight, auch der Titeltrack. Doch viele Tracks haben FIller-Niveau.
2006 - AMOLAD: Für mich der Peak seit der Reunion. AMOLAD ist wieder mehr aus einem Fluss, die Songs harmonieren miteinander und vom Songwriting gibt es Highlights wie BTATS, das für mich einer der besten Tracks seit der Reunion ist. Dazu mit Benjamin Breeg, These colours don't Run, The Legacy und the Longest Day mit tollen Elementen. Endlich bringt Steve streckenweise auch wieder seine bekannten Basslines ein, die man auf den letzten Alben vermisst hat.
2010 - TFF: Leider hier wieder ein deutlicher Abstieg. Maiden klingen zum ersten Mal seit der Reunion irgendwie inspirationslos und ausgebrannt. Die Songs wirken unfertig, teils unpassend arrangiert und es gibt eigentlich kaum Highlights. Quasi ein Rückfall in die 90er.
2015 - TBOS: Leichte Besserung, was vor allem an Bruce's Input liegt und damit das Album rettet, ansonsten wäre es auf einem Niveau mit TFF. Auch Adrian scheint nicht mehr so gut zu schreiben wie noch 10 Jahre zuvor und Steve's Songs haben mittlerweile immer die gleiche Struktur und wirken langweilig. Teilweise sind die Riffs der Songs vorhersehbar. Dazu spielen Iron Maiden hier wirklich unsauber ein vieles klingt eher nach eine Demoversion.
die letzten Wochen haben ich mir die komplette Maiden Discographie mehrmals chronologisch angehört und mich dabei vor allem auf die musikalische Entwicklung konzentriert. Dabei meine ich nicht nur die Performance der Musiker sondern auch das Songwrtiting und die Arrangements. Sicherlich ist das aus meiner Sicht nicht unbedingt 100% objektiv, ich versuche die Sache aber mehr aus der Sicht eines Musikers zu sehen und nicht als "Fan".
Ich bewerte hier nur Studio-Alben und habe hier einmal ein Diagramm erstellt, um die ganze Sache erst einmal zu visualisieren: Nun zur Beschreibung:
1980 - Iron Maiden: Für ein Debut sind die Songwriting-Fähigkeiten durchaus schon anspruchsvoller und es sind schon Tendenzen für eine stetige Entwicklung zu erkennen.
1981 - Killers: Maiden machen hier einen kleinen Sprung, was meiner Meinung nach vor allem an Adrian Smith Gitarrenarbeit liegt. Die Gitarrenharmonien klingen hier besser, auch die Gitarren-Soli. Einige Gitarrenmelodien haben aber dennoch potential und klingen vielleicht hier und da noch etwas zu simpel. Im Prinzip handelt es sich aber bei den meisten Songs um Material, welches schon 1980 beim Debut vorhanden war.
1982 - TNOTB: Maiden werden vielleicht etwas "kommerzieller" und verlieren den rauen Punk-Charme der ersten beiden Alben, aber klingen dafür etwas mehr nach Heavy Metal. Erstmals ist Adrian aktiv am Songwirting beteiligt und bringt mehr "rockige" Elemente in den Sound, dazu steigert sich Steve mit Hallowed be thy Name beim Songwriting massiv.
1983 - POM: Die Entwicklung geht weiter nach oben, erstmals klingt die Band richtig aus einem Guss, da sich bis auf Nicko jedes Mitglied beim Songwrtiting beteiligt. To Tame a Land hat ähnliches Klasse wie Hallowed, dazu wirkt das Drumming insgesamt technischer mit dem Einstieg von Nicko. Tolle Soli, abwechslungsreiche Songs und dazu eine tolle Produktion lassen das Album zurecht zu einem Klassiker werden.
1984 - Powerslave: Die Steigerung geht weiter, natürlich begünstigt durch Songs wie Mariner. Unglaublich wo Steve all die Harmonien herausholt und wie sich Bruce und Adrian mit 2 Minutes und Powerslave immer mehr steigern. Die Gitarrensoli wirken erstmals wie aus einem Fluss, gehen streckenweise sauber ineinander über und Maiden wirken hier überall sehr harmonisch, auch wenn z.B. leichte "Filler" Tracks auf dem Album sind wie Losfer Words.
1986 - SIT: Musikalisch noch einmal eine massive Steigerung, was nicht nur an den bis dahin besten Gitarren-Soli liegt, sondern auch an dem damaligen "modernen" Sound. Adrians Songwriting erreicht hier seinen Peak und bringt sehr viel Abwechslung rein, dazu schreibt Steve hier mit Alex, TLOTLD und CSIT 3 tolle Songs, die leider Live so gut wie nie berücksichtigt wurden. Das Album wirkt fast im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos.
1988 - Seventh Son: Hier erreichen Iron Maiden den absoluten Peak ihres Schaffens. Alle Songs wirken sehr gut eingespielt und ausgearbeitet. Es passt hier einfach alles. Der Titeltrack ist natürlich das Highlight, zum ersten Mal besteht ein Maiden Song aus mehreren Soli hintereinander und einem Chor-Part, der mir heute noch Gänsehaut auf die Haut bringt wenn ich ihn höre. Die Kombination aus Rhythmus und Lead-Gitarren wie in den Strophen von The Clairvoyant oder dem Titeltrack wirkt hochklassig, dazu bringen Akustik-Passagen wie am Ende von The Prophecy eine andere, unbekannte Seite, von Maiden mit ins Boot. CIPWM wirkt als einziger Track vielleicht unpassend.
1990 - NPFTD: Ein massiver Abfall, das erste eher "schlechte" Maiden Album. Teils klingen Maiden inspirationslos, durch den Verlust von Adrian klingen die Soli deutlich langweiliger und das Songwriting ist simpel. Man kann kaum glauben das man sich innerhalb von 2 Jahren musikalisch so verschlechtern kann.
1992 - FOTD: Es geht wieder etwas nach oben, aber nur leicht. Der Titeltrack, Be quick und Strangers sind gute Songs, die das Niveau im Vergleich zu NPFTD anheben. Aber irgendwie ist das dennoch kein Maiden-Niveau wie aus den 80ern und Maiden klingen streckenweise wieder gelangweilt. Auf dem Album befinden sich viele inspirationslose Filler und Gers Soli haben einfach nicht das Niveau von Smith.
1995 - X-Factor: Musikalisch eine Art Neuentwicklung und vom Songwriting wieder etwas mutiger. Das Album mit seinem melancholischen Flair ist vielleicht sperriger, aber nicht langweilig. Hier und da gibt es einige neue Ideen im Sound zu entdecken, z.B. bei The Unbeliver, die man noch nie bei Maiden gehört hat. Auch die Gitarren-Melodien wirken wieder besser und es scheint, als haben sich Gers und Murray eingespielt. Einzig die Leistung von Blaze verhindert hier eine noch besser Bewertung.
1998 - Virtual XI: An sich der Tiefpunkt - Bis auf den Opener und Clansman tummeln sich hier Songs, die mit massiven Wiederholungen von Refrains oder Strophen nerven (Gambler, Educated Fool) und dazu stört hier wieder Blaze mit schiefen Tönen. Das Drumming von Nicko wirkt wie von einem inspirationslosen Drumcomputer und das klingt nach einer Band, die kurz vor dem Ende steht.
2000 - BNW: Das Reunion-Album bessert einiges, auch wenn es nicht an die Qualität der 80er herankommt. Was vielleicht auch daran liegt, dass fast die Hälfte der Songs aus der Zeit von Virtual XI stammen und Bruce und Adrian noch nicht so viel Einfluss hatten. Es geht aber wieder nach oben.
2003 - DOD: Es wird etwas progressiver, aber nicht ausgereifter. Das Album wirkt wie eine Findungsphase, wohin man sich musikalisch entwickelt. Es ist weder eingängig noch richtig progressiv. Paschendale ist ein Highlight, auch der Titeltrack. Doch viele Tracks haben FIller-Niveau.
2006 - AMOLAD: Für mich der Peak seit der Reunion. AMOLAD ist wieder mehr aus einem Fluss, die Songs harmonieren miteinander und vom Songwriting gibt es Highlights wie BTATS, das für mich einer der besten Tracks seit der Reunion ist. Dazu mit Benjamin Breeg, These colours don't Run, The Legacy und the Longest Day mit tollen Elementen. Endlich bringt Steve streckenweise auch wieder seine bekannten Basslines ein, die man auf den letzten Alben vermisst hat.
2010 - TFF: Leider hier wieder ein deutlicher Abstieg. Maiden klingen zum ersten Mal seit der Reunion irgendwie inspirationslos und ausgebrannt. Die Songs wirken unfertig, teils unpassend arrangiert und es gibt eigentlich kaum Highlights. Quasi ein Rückfall in die 90er.
2015 - TBOS: Leichte Besserung, was vor allem an Bruce's Input liegt und damit das Album rettet, ansonsten wäre es auf einem Niveau mit TFF. Auch Adrian scheint nicht mehr so gut zu schreiben wie noch 10 Jahre zuvor und Steve's Songs haben mittlerweile immer die gleiche Struktur und wirken langweilig. Teilweise sind die Riffs der Songs vorhersehbar. Dazu spielen Iron Maiden hier wirklich unsauber ein vieles klingt eher nach eine Demoversion.