@MaidenMetallian: Du stellst immer wieder dieselbe Frage und ich gebe gerne immer wieder dieselbe Antwort
Bei mir kommt es bei einem Sänger in erster Linie auf Emotionen an und erst dann auf die Technik. Ich finde, dass Blaze Bayley eine richtig ausdrucksstarke Stimme hat und halte "The X-Factor" für das atmosphärischste Album der Band, in dem ich perfekt eintauchen kann. "Virtual XI" mag schwächer sein, hat aber dennoch einen roten Faden mit seiner leicht verträumt-melancholischen Stimmung, zu der Blaze beiträgt. Im Gegensatz zu den letzten arg austauschbaren Alben Iron Maidens (besonders "The Final Frontier") ist Virtual XI wenigstens originell und einzigartig. Ich finde da auch Stücke wie "When Two Worlds Collide" und "Como Estais Amigos" genial, die haben jede Menge Tiefgang.
Zudem hat sich Blaze Bayley immer weiter entwickelt. Er ist als Mensch gewachsen, seine Stimme ist mit der Zeit reifer geworden, seine Liveperformances sind herausragend geworden (ich fand seine Version von "Hallowed Be Thy Name", die ich 2013 live erleben durfte, ehrlich gesagt besser als die von Iron Maiden, als ich sie 2010 live gesehen habe). Bruce Dickinsons Stimme klang für mich auf den letzten Alben streckenweise sehr angestrengt und nervtötend, ich finde seine Qualität stagniert oder sinkt sogar leicht. Nicht umsonst ziehen die meisten Fans die Alben der Achtziger vor. Auch in Bruce Dickinsons Solokarriere mag ich die Sachen aus den Neunzigern lieber als die letzte Scheibe. Bei Blaze Bayley ziehe ich hingegen ganz klar seine aktuellen Scheiben den Sachen von Wolfsbane vor und finde, dass er mich immer wieder positiv überrascht.
Ich finde auch ein Lied wie "Stare At The Sun" besser als so ziemlich alles, was Bruce Dickinson jemals solo gemacht hat. Ausserdem haut mich Blaze Bayleys letztes Album "The King of Metal" immer noch um, das ist ein hochemotionaler Seelenstriptease. Ich habe keine Ahnung, ob du dich mal mit den Soloalben von Blaze Bayley auseinander gesetzt hast, vielleicht könntest du meine Meinung dann eher nachvollziehen. Ich kann nur jedem empfehlen sich mal mit den Soloalben von Blaze auseinanderzusetzen.
Und zu dem Kommentar "Wer kannte Blaze bevor er zu Maiden kam...". Ich wette mit dir, dass viele auch Bruce Dickinson nicht kannten, bevor er zu Iron Maiden stiess, Samson waren nur Insidern bekannt, auch wenn viele ältere Fans heute so tun, als hätten sie Samson ja schon immer auf dem Radar gehabt. Das ist aber ohnehin kein Argument für oder wider der Qualität der Künstler. Wolfsbane ist mehr eine Hard-Rock-Band und stilistisch ganz anders ausgerichtet. Ich finde die Band nicht schlecht, aber mein Ding ist es nicht, da ich mit dem Genre auch nicht so viel anfangen kann.
Ich gebe auch gerne zu, dass ich noch nicht alle Alben von Blaze Bayley besitze, von Iron Maiden hingegen schon. Eigentlich müsste es genau anders herum sein. Iron Maiden sind längst Multimillionäre, die privat Bier brauen, irgendwelche Flughshows machen und Golf spielen anstatt an einem neuen Album zu arbeiten, die brauchen meine Unterstützung gar nicht mehr. Blaze tourt sich den Allerwertesten ab, hat in den letzten Jahren viele gute Veröffentlichungen herausgebracht und auch als Gastsänger auf einigen starken Scheiben fungiert und hat finanziell trotzdem so seine Sorgen. Für all das, was er mir mit seiner Musik gebracht hat, ist es wohl das mindeste, dass ich ihn unterstütze indem ich zu seinen Konzerten komme und vielleicht auch die neue DVD kaufe, wenn er sie dabei hat. Ich weiss auch, dass das Geld, was er verdient entweder seiner jungen Familie zu Gute kommt oder neuem Material, denn er hat ja angekündigt im Jahr 2015 an einem neuen Album arbeiten zu wollen. Bei Iron Maiden kassiert das Management ab und der Rest des Geldes landet in irgendwelchen Villen in Florida. Für eine vernünftigen Albumproduktion scheint hingegen kein müder Cent übrig zu sein. Ich finde Blaze Bayley als Künstler mittlerweile einfach authentischer und nahbarer als seine ehemalige Band und das hat jetzt nicht nur etwas mit dem Bekanntheitsgrad zu tun, es gibt auch sehr erfolgreich Künstler, die auf dem Boden geblieben sind und ihren Fans gegenüber extrem sympathisch sind.