Ich schreibe euch mal eine kurze Bio
Die Band war ganz früher einmal deutlich Hard Rock und Heavy Metal lastiger, was man auch auf dem Debüt "Fright Night" im Jahr 1989 noch sehr gut hören kann. Haupteinfluss war damals noch Black Sabbath.
Danach wurde die Band etwas epischer, komplexer und melodischer mit den Alben "Twilight Time" und "Dreamspace". Letzteres ist für mich mit himmelweitem Abstand das beste Album der Band und wohl auf ewig in meiner persönlichen Alben Top 20.
Danach orientierte sich die Band um, da ihre Musik zwar eine kleine Fanschar begeisterte, international aber nicht konkurrenzfähig war, gerade Mitte der Neunziger, als Grunge, Gothic, Groove und Industrial Metal dominierten. Tolkki sang nun nicht mehr selbst und lockte stattdessen Kotipelto ins Boot, dessen Stimme etwas höher und melodischer war. Mit diesem Wandel sprangen aber quasi auch die letzten Gründungsmitglieder der Band ab (Timo Tolkki war zwar früh zur Band gekommen, aber nicht bei der Gründung dabei gewesen) und es entstand eine völlig neue Formation.
Tolkkis Radikalwende ging aber grandios auf. So wurde die Band zu einer der größten europäischen Power Metal Bands und konnte gar in Jahren, in denen die alten Helden erschreckend schwach waren, starke Alben vorzeigen wie "Visions" oder "Destiny". Als Metal dann plötzlich wieder salonfähig wurde, hatte die Band mit "Infinite" plötzlich sogar einen kommerziellen internationalen Durchbruch und kam fast schon ein wenig wie die Jungfrau zum Kind.
Danach ging es mit der Band aber den Bach herunter, da man vermutlich unter Erfolgsdruck geriet und auch intern die Stimmung immer schlechter wurde. Das Doppelalbum "Elements" war schon nicht einmal mehr durchwachsen und danach überschlugen sich die Ereignisse dann. Die Band löste sich auf, Tolkki engagierte völlig neue Bandmitglieder, unter Anderem eine Sängerin, die sich als Fake entpuppte und wollte in eine deutlich härtere und moderne Richtung gehen. Hinzu kamen bei ihm auch psychologische Probleme. Irgendwie berappelte Tolkki sich noch einmal, schloss Frieden mit den anderen Mitgliedern und es entstand das selbstbetitelte Album im Jahr 2005. Der eigentliche Neustart wurde von Kritikern völlig zerrissen. Das Album ist wirklich eine Art Kuriositätenkabinett und eines der abgedrehtesten Alben, die ich überhaupt kenne; nur leider selten im positiven Sinne. Man verwendete elektronische Stampfer und pseudoprogressive Endlosschleifen à la Iron Maidens "The Angel And The Gambler". Dazu kamen Streitereien wegen eines Samples einer Rede von Adolf Hitler, das Tolkki unbedingt verwenden wollte. Letztlich wurde dieses Sample nach langen Diskussionen als Kompromiss ans Ende des betroffenen Liedes gemischt und nicht etwa an den Anfang oder eben ganz weggelassen. Das zerfahrene Album war ein Spiegelbild der Verfassung dieser Band und kurz darauf ging dann auch gar nichts mehr. Obwohl die Demoaufnahmen für ein neues (schwaches) Album schon im Kasten und einige Stücke live gespielt worden waren, kam es zum Eklat, da Tolkki nicht mehr tragbar war. Es folgten unschöne Monate mit gegenseitigen Beschuldigungen und Streitereien um die Namensrechte (ähnlich wie aktuell bei Queensryche).
Tolkki machte dann mit seinem neuen Projekt Revolution Renaissance weiter deren erstes Studioalbum das Stratovarius-Demo wurde, wobei der Gesang noch schnell von Michael Kiske (ex-Helloween, Unisonic), Pasi Rantanen (ex-Thunderstone) und Tobias Sammet (Edguy) übernommen wurde. Tolkki baute dann nach und nach eine richtige Band mit festen und eher unbekannten Mitgliedern auf, kam aber auf keinen grünen Zweig mehr. Trotz drei Studioalben in drei Jahren löste sich die Band auf, das danach folgende Projekt Symfonia ging auf Grund gewisser Starallüren (unter Anderem von Uli Kusch (ex-Helloween), der beim zweiten Album nicht mehr selbst Schlagzeug spielen wollte, für die Summe von 10.000€ aber anbot, dass sein Name "verwendet" werden dürfe) auch rasch zu Bruch. Danach wollte Tolkki eigentlich aufhören und fand sich in einer Selbstfindungsphase. Dann plante er doch noch einmal ein neues Soloalbum, das er aber urplötzlich abbrach, um an einem neuen Projekt zu arbeiten, von dem man bislang immer noch nichts weiß.
Stratovarius orientierten sich um und versuchten mit neuen Mitgliedern zurück in Richtung des Sounds von "Destiny" und "Infinite" zu gehen. Das ging mit der musikalischen Wiedergeburt "Polaris" aber ganz schön in die Hosen, denn man ersetzte quasi alle Gitarren durch Keyboards und klang auch sonst wie ein Abklatsch der eigenen Vergangenheit. Das sah die Band wohl ähnlich, denn mit "Elysium" wurde man dann wieder etwas epischer und progressiver und es gelang nach über zehnjähriger Durststrecke seit "Infinite" tatsächlich noch mal ein sehr schönes Album.
Nach weiteren kleinen Besetzungswechseln (Jörg Michael überstand eine Krebsbehandlung, machte kurz danach dann aber doch Schluss mit seiner Karriere als Profimusiker) erscheint nun "Nemesis".
Meine Albenbewertungen:
Dreamspace (1994) 10/10
Visions (1997) 8,5/10
Twilight Time (1992) 8,5/10
Fourth Dimension (1995) 8,5/10
Elysium (2011) 8/10
Infinite (2000) 7,5/10
Fright Night (1989) 7,5/10
Episode (1996) 7/10
Destiny (1998) 7/10
Elements Part II (2003) 6,5/10
Stratovarius (2005) 5,5/10
Polaris (2009) 3/10
Elements Part I (2003) 1/10