Die Band hat es jedenfalls geschafft, in kürzester Zeit zu einer meiner Favoriten zu werden, auch wenn ich noch nicht alle Platten besitze. Über die vorhandenen werde ich aber erst mal ein Worte verlieren und freue mich auf weitere Diskussionen und Anregungen.
Noble Savage (1985)

Das Album ist noch deutlich straighter und am 80er Heavy Metal orientiert, birgt mit dem Titeltrack sowie "The Angel Of Light" aber schon zwei epische Knaller mit längerer Spielzeit, die schon aufzeigen, wozu die Band dann später tendiert. Der Rest ist schnörkelloser Metal, den man sich immer wieder mal anhören kann. Ich präferiere jedoch eher die späteren Scheiben.
Age Of Consent (1988)

Enorme Steigerung imo! Allein schon der Opener "The Burning Of Rome (Cry For Pompeii)" knallt ohne Ende und hat richtig geniale Riffs und Leads zu bieten. Aber auch der Rest zeigt sich deutlich epischer, melodiebewusster und durchdachter, als noch auf dem Vorgänger. Mit "Perfect Mansions (Mountains Of The Sun)" gibt es die erste von nachfolgend zahlreichen Power Balladen der Band - pure Epik!! Muss man gehört haben. Auch ansonsten ist das Album extrem abwechslungsreich udn zählt für mich zu den stärksten Genre-Veröffentlichungen dieser Dekade.
The Marriage Of Heaven And Hell, Part I + II (1994/95)

Dieser Doppeschlag läutet die imo beste Phase von VIRGIN STEELE ein. Beide Platten sind wiederum eine enorme Steigerung der musikalischen Komplexität bzw. Raffinesse und klingen streckenweise eher nach altem Progressive, denn nach epischen True Metal. Speziell der erste Teil hat bei mir lange gebraucht, bis er vollends gezündet hat. Mit "I Will Come For You" enthält er einen der größten Hits der Band, obwohl dieser auf hitverdächte Refrains und Strukturen verzichtet. Der Rest pendelt dann zwischen straighten und verspielten Tracks hin und her, das Keyboard ist hierbei jedoch stets allgegenwärtig. Part II gefällt mir persönlich besser als der erste. Hier gibt es teilweise verschachtelte Epics ("Prometheus The Fallen One", "Emalaith"), aber auch harte Metal-Songs ("A Symphony Of Steele" - erinnert mich ziemlich stark an Manowars "Wheels Of Fire") sowie kultige Hits ("Unholy Water", "Victory Is Mine").
Invictus (1998)

Der Meilenstein von VIRGIN STEELE. Auf diesem Album stimmt einfach alles: Es hat den mit Abstand besten Sound, ist gleichzeitig mit das härteste der Band (streckenweise gar thrashig) und enthält imo auch die besten Songs, die den Begriff True Metal einfach perfekt zementieren. Es gibt eigentlich nur Hits zu bestaunen. Angefangen beim Titeltrack, "Mind, Body, Spirit" (das Ende ist so erhaben!!), dem flotten "Through Blood And Fire", dem epischen "Defiance" (WAS für ein Refrain), dem Arschtreter "Dust From The Burning" oder dem Closer "Veni, Vidi, Vici", einem der schönsten Epic-Metal-Songs, die ich je hören durfte. Das Album ist durch und durch perfekt!
The House Of Atreus, Act I + II (1999/2000)


Direkt ein Jahr später beginnen VIRGIN STEELE den Auftakt ihrer "The House Of Atreus"-Metal-Oper, die sich thematisch tiefgehend mit der griechischen Mythologie beschäftigt und meines Wissens auch live in einer theatralischeren Form umgesetzt wurde.(?) Beide Tilel enthalten neben typischen VS-Songs auch zahlreiche Interludes und Zwischenspiele, die aber die Geschichte passend unterfüttern und imo auch den Fluss der Alben nicht stören. Musikalisch erreichen VIRGIN STEELE mit beiden Alben ihren Zenit. Man bekommt eigentlich alles, wofür diese Band steht: Aggressive Metal-Songs mit epischen Refrains, tollen Leads und Soli sowie die bärenstarke Gesangsleistung von David DeFeis. So gesehen sind beide Platten fast schon eine Art Best Of des eigenen Schaffens, wiederholen sich jedoch Gott sei Dank nicht. Insgesamt gefällt mir der zweite Teil besser. Dieser fährt solche Kracher auf wie "Wings Of Vengeance", "The Wine Of Violence", den mMn besten VS-Track "A Token Of My Hatred" sowie die Gänsehaut-Ballade "When The Legends Die". Aber auch der erste Akt birgt einige Spitzensongs! "Kingdom Of The Fearless (The Destruction Of Troy)", "The Fire God", "Agony And Shame", "Gate Of Kings", um nur mal ein paar zu nennen.
Visions Of Eden (2006)

Mit diesem Album beginnt für viele der Untergang der Band. DeFeis startet mitunter seinen egozentrischen Alleingang, zeichnet selbst für die Produktion verantworltich (die wirklich nicht gut klingt) und setzt zudem auf einen Drum-Computer, welcher den klinischen Touch der Scheibe nur verstärkt. Jedoch, und da stehe ich vielleicht alleine da, die Songs finde ich saustark. VS klingen hier deutlich keyboard-orientierter, bombastischer und zudem vertrackter. Mit knapp 80 Minuten wird die gesamte Spielzeit der CD ausgereizt (was bei VS eigentlich eh immer der Fall ist) und man braucht sehr lange, bis die Songs zünden. Ich habe jedenfalls mittlerweile großen Spaß an der Scheibe, höre sie sehr gerne und würde sie auch weit oben im Ranking der Alben einordnen.
The Black Light Bacchanalia (2010)

Bei dem Album fällt die Sachlage schon weit anders aus. Zwar klingt der Sound etwas besser (aber immer noch sehr dürftig, speziell das "Schlagzeug"), aber dafür merkt man hier zum ersten Mal stimmliche Probleme bei DeFeis, der die meisten Songs eher mit Flüstern/Hauchen, als mit ausdrucksstarkem Gesang unterlegt. Stichwort Songs: VS bleiben bei dem eher progressiven Stil, verzetteln sich auf diesem Album aber imo darin. Den meisten Songs fehlt es an Spannungsmomenten und echten Hooks, die hängen bleiben. Einzig der Opener sowie das starke "Necropolis (He Answers Them With Death)" können mich überzeugen, der Rest hingegen steht sich eher selbst im Weg.
Nocturnes Of Hellfire & Damnation (2015)

Dass es noch schlechter geht, beweist das neue Album... Hier stimmt plötzlich gar nichts mehr. Die Songs sind allesamt lahm, lahm und nochmals lahm und driften alle in die Belanglosigkeit ab. Einzig "Lucifer's Hammer" zeigt ein bisschen Drive und prescht ganz gut nach vorne. Der Rest birgt hin und wieder einige gute Melodien und Refrains, im Endeffekt ist dies aber höchst schnarchige Musik, die sich zudem auch zieht - warum man hier alle Songs auf 5-8 Minuten ausdehen muss, erschließt sich mir nicht. Zudem kommt die mit Abstand schlechteste Geangsleistung von DeFeis dazu, der statt zu hauchen nun in ohrenbetäubender Lautstärke heult und wimmert. Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat...
So gesehen zeigt die Formkurve der "Band" gegenwärtig stark nach unten. Ich glaube zwar nicht, dass da noch was Großes kommt (was sehr schade wäre), aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.
So, was meint ihr zu VIRGIN STEELE? Bin auf Reaktionen und Meinungen gespannt!





