Metalfans sind genau wie Popfans eben Fans die gewisse Erwartungen haben und meist nur dann zufrieden sind, wenn diese erfüllt werden, aber einen riesigen Shitstorm starten, wenn dies nicht der Fall ist. Da kommen dann streckenweise hasserfüllte Kommentare, die auch von pubertierenden Mädchen stammen könnten. Streckenweise sind Metalfans sogar noch schlimmer. Am krassesten sind Manowarfans, da habe ich böse Sachen gehört, als ich deren letztes Album verrissen habe (ich bin eine ganz untrve Schwuchtel und bestimmt in Wirklichkeit nur Lady Gaga Fan und so^^)
Aber nehmen wir mal die neue Single "Berzerk" von Eminem (kennt hier wahrscheinlich keiner und das zeigt auch, dass die ganzen Kommentare hier zum Mainstream Unfug sind, weil sich mit dem Mainstream in Wirklichkeit niemand auseinander setzt, sonst würde er oder sie das Stück selbstverständlich schon lange kennen)... es ist ein abgehacktes, aggressives Stück mit vielen technischen Spielereien, produziert von Rick Rubin und eben nicht von Dr. Dre, das etwas Neues ausprobiert (der Metalfan wird aber ganz bestimmt irgendetwas finden, was so ähnlich klingt und sagt dann gerne triumphierend, dass alles immer irgendwo abgekupfert ist und es das ja schon früher gab). Auf manchen aktuellen Stücken singt der Rapper sogar zu Pianoballaden und inspiriert sich bei genrefremden Sachen von Black Sabbath bis hin zu Elton John. Manche Fans begehren auf und wünschen sich die Tage der ersten Marshall Mathers LP zurück oder schwadronieren, dass die besten Rapper wie Tupac und Co. ohnehin alle tot seien und die besten Alben noch aus dem letzten Jahrtausend stammen und dass man sich nicht bei schwulen Popsängern oder uralten Grufties inspirieren soll, aber sehr viele akzeptieren das auch, finden die Neuerungen spannend und es wird dem Erfolg des kommenden Albums wohl gewiss kaum schaden. Die Reaktionen sind gespalten, aber eben nicht einseitig, unter dem Strich letztendlich sogar positiv.
Ein anderes Extrembeispiel ist eben Metallicas "Lulu". Ich könnte auch Morbid Angels "Illud Divinum Insanus" nehmen. Oder sonst irgendein experimentierfreudiges Metalalbum einer bekannten Metalband. Da werden auch komplett neue Dinge ausprobiert. Da jammern die Fans auch und wünschen sich die Tage der "Kill'Em All" zurück oder sabbern sogar so einen Mist wie, dass damals beim Busunfall in Schweden der falsche gestorben sei und mit Cliff Burton ja bestimmt alles anders geworden wäre (ja, klar doch!). Kaum jemand kauft diese Scheiben dann, aber sobald die Bands ihren alten Sachen huldigen, freuen sich die Lämmer streckenweise sogar über sinnlose Kinofilme oder Konzerte in der Antarktis und laufen wieder stolz mit Shirts der Band herum, die sie vor einem Jahr noch verdammt haben. Die Reaktionen sind fast ausnahmslos einseitig.
Wenn ein Rapper mal vom Mainstream weggeht oder etwas Neues ausprobiert, dann wird das meist toleriert, aber die Metalfans brüllen direkt "Kommerz!!!111" und verfallen in "Früher war alles besser!"-Mantras.
Lustig finde ich, dass hier auch fast immer nur dieselben populären Mainstream-Metalsänger genannt werden wie Dickinson, Halford oder Dio, die jeder kennt. Die kennt oft sogar der Normalbürger. Das ist so, als ob Popfans nur Abba, Madonna und Michael Jackson nennen würden. Komischerweise ist das nicht so. Das sagt auch irgendwie vieles.
Viele Fans des Mainstreams sind durchaus bereit auch neueren Ausrichtungen zu folgen. Der Metaller nennt dies dann eben erbost "auf den Trendzug aufspringen". Kaum jemand hat die Erfolge von Grunge, Dubstep, Nu Metal etc. vorher gesehen und doch setzten sie sich durch. Dabei waren Nirvana das absolute Gegenteil von Kommerz, wollten auch nie berühmt werden und niemand konnte ahnen, dass sich diese Band durchsetzen würde. Nur die Metalfans haben die Band ganz wüst beschimpft, weil die ja angeblich ihre ganze Szene kaputt gemacht hat. Selbst einen Namen wie Psy kannte vor zwei Jahren hier keine Sau. Wer hätte gedacht, dass irgendein unbekannter koreanischer Rapper, den erfolgreichsten Videoclip aller Zeiten veröffentlicht und eben nicht eine Lady Gaga oder Rihanna?
Die Neuerungen der Metalszene (Groove Metal, Metalcore und Co.) sind überschaubar und wurden durch die Bank weg von den meisten verdammt und beschimpft, da viele eben nicht offen für Neues waren, ganz im Gegenteil. Noch heute muss man nur einen Thread zu Avenged Sevenfold, Trivium und Co. öffnen und die Reaktionen sind ständig dieselben. Man kann direkt vorhersehen, welche Bands ganz oben in den Charts einsteigen und welche Randgruppen bleiben. Überraschungen oder durchschlagende Erfolge von neueren Künstlern gibt es jedenfalls nicht. Während die Rap-und Popfans eben eine Lady Gaga feiern und als neue Madonna sehen, obwohl sie wissen, dass vieles nachgemacht ist, nölen die Metalfans von vorne herein nur herum "alles nur geklaut" und beklagen sich lautstark ohne diese Künstler wirklich zu kennen.
Während Madonna schon niemand mehr vermisst und Lady Gaga, Rihanna und Co. neue Generationen anziehen, frage ich mich, wie das mit dem Metal enden soll. Was passiert denn, wenn es Iron Maiden und Metallica nicht mehr gibt? Diese Löcher kann niemand füllen, weil kaum jemand jungen Bands eine Chance lässt, obwohl es genügend Talente gibt. Selbst die jüngeren Metalfans hören grösstenteils Musik der Alteingesessenen. Viele machen sich sogar über traditionell ausgerichtete Bands wie Sabaton lustig, die das Zeug zu neuen Superstars hätten und lassen ihnen kaum eine Chance, von etwas andersartigen Metalbands mal ganz zu schweigen. Der Metal wird vielleicht nicht aussterben, aber irgendwann einfach im Stillstand verharren.
Die Reaktion der Pop- und Rapfans finde ich da in flächendeckender Sicht sogar weitaus intelligenter und offener als die der meisten Metalfans, die sich gerne immer als "anders" und "schlau" darstellen, weil sie eben nicht "kommerziell" sind und "auf Trendzüge aufspringen". Zwar muss man seine Meinung nicht wie ein Fähnchen im Wind drehen, aber wer nicht den Mumm hat auch mal umzudenken, der ist noch mehr zu bemitleiden. Es ist ja auch nicht so, als ob die Popfans jetzt auf alles aufspringen, was ihnen so präsentiert wird. DSDS und Co. sind heute kaum mehr relevant und es wird längst nicht alles geschluckt, was clevere Strategen den Fans servieren.
Die vermutlich erbosten Reaktionen auf meinen Beitrag sind in der Hinsicht auch eine Bestätigung dieser These, also schon einmal vielen Dank für die indirekte breite Zustimmung.
